Category: Stuff and Nonsense

Grüner Urin – ein guter Name für eine Punkband

Ein paar Mitglieder der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin haben kürzlich ihren Urin untersuchen lassen, um den Gehalt von Glyphosat, einem Pflanzengift, zu bestimmen.  Das Ergebnis: erschreckend! Grenzwerte weit überschritten – jedenfalls nach einem Artikel in der B.Z.

Aber was für Grenzwerte eigentlich?

Die Trinkwasserverordnung legt für Pflanzenschutzmittel und Biozidprodukte einen Grenzwert von 0,0001 mg/l fest. Das entspricht 0,1 μg/l oder 100 ng/l. Im B.Z.-Artikel gibt es Verwirrungen um die Einheiten (dort ist zu lesen, der Grenzwert sei 0,1 ng/l). Die Grünen selbst geben die Werte in ihrer Pressemeldung zum Thema in ng/ml an. Da es dabei immer um Größenordnungen von 1000 geht (also etwa der Unterschied, ob man einen Liter oder eine kleine Pipette voller Bier vor sich hat), wäre hier mehr Konsistenz und Genauigkeit sehr wünschenswert.

Doch zurück zum Urin. Wie sinnvoll ist es, Grenzwerte, die für Trinkwasser gelten, auf menschlichen Urin anzuwenden? Mir sind einige Anwendungsfälle bekannt. Die Eigenharnbehandlung ist ein alternativmedizinisches Verfahren, bei dem manchmal auch Urin getrunken wird. Ferner pflegen manche Menschen sexuelle Fetische, während deren Ausübung Urin verzehrt wird. Ein weiteres Beispiel ist die Praxis mancher sibirischer Völker, den Urin eines Schamanen zu trinken, nachdem dieser Fliegenpilze verzehrt hat. 

Andererseits gibt es auch jenseits einer etwaigen Glyphosatbelastung Indizien, die dagegen sprechen, Urin und Trinkwasser miteinander zu verwechseln. Die Trinkwasserverordnung schreibt zum Beispiel  Geruchlosigkeit und neutralen Geschmack vor. Nun ja.

Das Anwenden der Trinkwasser-Grenzwerte auf Urin ist populistischer Unsinn. Ja, vermutlich ist dieses Glyphosat eher ungesund. Unmittelbare Todesgefahr besteht jedoch nicht, weder für die Grünen noch für den Rest der Bevölkerung. Glyphosat ist erstmal etwas weniger giftig als Kochsalz. Die mittlere letale Dosis LD50 (bei Ratten im Tierversuch) von Glyphosat liegt bei 5000 mg/kg, die von Kochsalz bei 3000 mg/kg. Es gibt allerdings Anzeichen dafür, dass der Stoff Langzeitschäden hervorrufen und Krebs erzeugen kann. 

Es ist also überhaupt nichts dagegen zu sagen, sich für ein Verbot der Substanz zu engagieren. Aber doch nicht mit solchem Blödsinn!

 

Randnotiz zur Digitalen Agenda

Gestern, am 20.08.2014, wurde mit einigem Brimborium von gleich drei Bundesministern die Digitale Agenda der Bundesregierung vorgestellt. Gleichzeitig zur Pressekonferenz wurde die Webseite http://www.digtale-agenda.de online gestellt.

Ich habe mir den Quellcode der Seite kurz angesehen und daraufhin gegen 16:30 eine Mail an die Kontaktadresse internetpost@bundesregierung.de (Internetpost!) geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach der Durchsicht Ihrer unter der URL http://www.digitale-agenda.de zu erreichenden Webseite habe ich einige Fragen:

Im HTML-Code der Webseite findet sich folgendes Meta-Tag:

<meta name=”google-site-verification” content=”xN8tF68aejNxHCVLZNA6tCt5r8lWVRTl4pWW0ExqPdE” />

Dies deutet darauf hin, dass Sie die Google Webmaster Tools verwenden. Ist das so? Falls ja, zu welchem Zweck verwendet die Seite diese Tools? Werden hierbei Daten der Nutzer Ihrer Webseite an Google übermittelt? Falls nein, wozu das Meta-Tag?

In den HTML-Code der Webseite sind mehrere 100 Zeilen Javascript-Code der etracker GmbH (https://www.etracker.com/de/) eingebunden.

In der Datenschutzerklärung von “http://www.digitale-agenda.de” schreiben Sie: “JavaScript ist ein Programm, das die Kommunikation auf der Seite des Bürgerdialoges beschleunigen kann.” und erwecken den Eindruck, der Einsatz von JavaScript sei nur für die Verwendung der Kommentarfunktion notwendig. Die Verwendung eines auf JavaScript basierenden Trackers, der übrigens von der gängigen Filtersoftware Ghostery  blockiert wird, legt nahe, dass hier Daten erhoben werden, um das Nutzerverhalten aufzuzeichnen und zu analysieren. Dies hat mit der Kommentarfunktion jedoch nichts zu tun.

Auch steht in der Datenschutzerklärung lediglich “Bei der Seite kann es zu einer automatischen Verarbeitung von Daten kommen.” Beim Einsatz eines Trackers “kann” es nicht zur autmatisierten Verarbeitung kommen, sondern es werden Daten automatisiert verarbeitet.
Warum ist in Ihre Webseite ein Tracker eingebunden, welche Daten werden erhoben, welche Nutzerdaten werden an die etracker GmbH übermittelt und warum weisen Sie nicht deutlich auf den Einsatz eines Trackers hin?

Für die Beantwortung meiner Fragen danke ich Ihnen bereits im Voraus und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Gerhard Anger
:wq

Wenige Stunden nach meiner Mail wurde die Datenschutzerklärung abgeändert und weist jetzt deutlich auf die Verwendung des Trackers hin. Das Meta-Tag mit dem Namen “google-site-verification” wurde entfernt. Eine Antwort habe ich bisher nicht erhalten.

Update:

Mittlerweile habe ich eine Antwort erhalten:

Sehr geehrter Herr Anger,

vielen Dank für Ihre E-Mail zu einem Thema digitale Infrastruktur.

Nach der Aufgabenverteilung innerhalb der Bundesregierung ist das Ministerium für die Bearbeitung von Anfragen und Stellungnahmen zuständig, in dessen Aufgabenbereich das Anliegen fällt.

Für viele Themenbereiche und Fragestellungen hat die Bundesregierung ein umfangreiches Informationsangebot entwickelt, das Ihnen einen schnellen Zugriff auf unser Wissen ermöglicht. In Ihrem Fall möchte ich Ihnen dazu den Internetlink

http://www.bmvi.de/DE/Home/home_node.html

empfehlen.

Sollten Sie hier die gewünschten Informationen bzw. Klärungen nicht finden, möchte ich Ihnen raten, sich mit Ihrem Anliegen direkt an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zu wenden. Sie können das Ministerium per E-Mail über buergerinfo@bmvi.bund.de erreichen.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag